Die Bräunlinger Bewältigung der Vergangenheit mit ihrer Vorgeschichte der Zeitzeugenaussagen.
Eine direkte öffentliche Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Ortsgeschichte fand in Bräunlingen erstmals 1996 / 1997 statt.
Wie kam es dazu und wie verlief sie?
Hier, in dieser Rubrik „Vergangenheitsbewältigung“ ist die Phase 1996/1997 dokumentiert, sortiert den Daten der vier öffentlichen Treffen, die dazu stattfanden. An anderer Stelle der Website, bei „Vergessen gegen das Erinnern“ finden Sie die breitere Darstellung Gesamt Erinnerungsarbeit zum Nationalsozialismus in Bräunlingen.
In der Rubrik „Methoden und Reflexion“ finden Sie Ausführungen zu den Vorgehensweisen; und die Zeitzeugenaussagen finden Sie bei „Zeitzeugenaussagen“.
Die Bräunlinger „Vergangenheitsbewältigung“ 1996/1997 und ihre Vorgeschichte.
Eine direkte öffentliche Auseinandersetzung mit der seiner nationalsozialistischen Ortsgeschichte fand in Bräunlingen erstmals 1996/1997 statt.
Wie kam es dazu und wie verlief sie?
Der Volkstrauertag 1996, Sonntag, 17.11.1996, brachte für Bräunlingens Umgang mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit eine WENDE und neue QUALITÄT. Über 50 Jahre lang hatte es keine direkte öffentliche „Auseinandersetzung“ mit der eigenen Ortsgeschichte des Nationalsozialismus gegeben. Die Zeit von 1933-1945 wurde als vergangen angesehen und beschwiegen – damit schien sie bereits "bewältigt“.
Herausforderungen oder Pflichten, die sich nach 1945 ergaben, wurden pflichtgemäß „abgewickelt“, damit schien die Sache erledigt. Für vertiefte kritische Analyse und Aufarbeitung des Nationalsozialismus bestand wenig Interesse.
Verdrängung und Vermeidung war die Antwort der „Generation Nationalsozialismus“ auf die zurückliegende NS-Zeit. Das war (fast) überall so, einschließlich der höchsten Regierungsebene. Dazu Bundeskanzler Konrad Adenauer, 1952: „Ich meine, wir sollten jetzt mit der Naziriecherei Schluß machen. Denn verlassen Sie sich darauf: wenn wir damit anfangen, weiß man nicht, wo es aufhört.“ 1.
1 Zitat gelesen am 11.04.2026 in der Ausstellung „Topografie des Terrors“, Berlin.
Doch erledigt war die Sache nicht. Anfangs der 1990er-Jahre stellten ein paar junge Bräunlinger Fragen: „Wie kam es zur Herrschaft des Nationalsozialismus? Warum habt ihr Hitler nicht verhindert? Wie war das Leben unter der NS-Herrschaft?“.
Sie gingen davon aus, dass sich der Nationalsozialismus nicht abstrakt und anonym ereignete, sondern konkret „am Ort“ und mit konkreten Personen, die sich so oder anders dazu verhalten haben. Wie ging das also konkret in Bräunlingen vonstatten? Die Befragung von Zeitzeugen hatte Priorität, denn Zeitzeugen würde es schon bald nicht mehr geben.
So wurden von 1991 bis 1993 zwölf Zeitzeugen befragt und die Aussagen später in Gesamtgruppentreffen besprochen. So entstand die Dokumentation „Zeitzeugenaussagen zum Nationalsozialismus in Bräunlingen“.
(Ausführlicheres hierzu und zur Methodik in der Rubrik „Methodik und Reflexion“).
1996 dann der nächste Schritt: Öffentliche Präsentation und Besprechung der Zeitzeugenaussagen am Volkstrauertag, 15.00 Uhr, in der Aula der Bräunlinger Schule. Für die Vorbereitung und Moderation konnte die Gruppe den Psychoanalytiker und Therapeuten Dr. Tilmann Moser gewinnen. Er moderierte die Veranstaltung (und die drei Folgeveranstaltungen) einfühlsam und souverän. Zu Beginn der ersten Veranstaltung hielt Moser einen auch heute noch aussagestarken Einführungsvortrag.
Bürgermeister Jürgen Güse fügte den Zeitzeugenaussagen „Anmerkungen des Bürgermeisters“ bei, mit denen er die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit der Erinnerung an den Nationalsozialismus zum Ausdruck brachte – ein politisches Statement seitens der Stadtgemeinde! Damit war nun auch kommunalpolitisch die Zeit des Verdrängens und Verschweigens vorbei und eine neue Zeit für Erinnern und Aufarbeiten eröffnet.
Es wurden vier Veranstaltungen durchgeführt:
1. Sonntag, 17.11.1996 (Volkstrauertag), 15.00 Uhr, Aula der Grund-u. Hauptschule
2. Sonntag, 12.01.1997, 15.00 Uhr, Aula der Grund-u. Hauptschule
3. Sonntag, 04.05.1997, Aula der Grund-u. Hauptschule
4. Sonntag, 17.09.1997, 16.00 Uhr, Ratsaal des Rathauses
Alle vier Veranstaltungen wurden von Dr. Tilmann Moser moderiert.
Konzeption, Verlauf, Materialien und Berichterstattung der Veranstaltungen: